Regionale oder globale Rohstoffbeschaffung. Was ist nachhaltiger?

Kategorie: Supply Chain

Regional ist gut, global ist schlecht. So einfach wollen es viele Menschen sehen. Aber nach welchen Wert-Maßstäben und Kriterien soll ein verantwortungsvoller Markenhersteller seine Lieferanten auswählen?

Immer mehr Endkunden fordern Transparenz in der Lieferkette. Ein heißes Thema auch wegen der Kundenfragen nach dem ökologischen Fußabdruck von Produkten. Früher war es relativ einfach: Es gab heimisches Fleisch, wie Geflügel oder Rind, und Kohlenhydratquellen wie Mais, Weizen und Gerste. In den letzten Jahren ist der Druck auf alle Tiernahrungsmarken gewachsen, sich durch Spezialitäten zu differenzieren. Ähnlich wie bei Lebensmitteln waren Superfoods wie Chia, Granatapfel und Krill oder exotische Fleischquellen wie Strauß, Känguru und Wasserbüffel gefragt.

Der getreidefreie Megatrend brachte Süßkartoffeln, Amaranth oder auch Teff in den Fokus von Produzenten und Tierhaltern. Treiber dieser Entwicklung ist zum einen die Vermenschlichung von Haustieren und zum anderen die Suche nach hypoallergenen Rohstoffen. Aus einem „Weil wir es können“-Modus wird derzeit ein „Umdenken“-Modus: Regionale „Superfoods“ wie Heidelbeeren, Brombeeren und Hirse oder Perlhühner als seltene Fleischquelle kommen „regional“ aus Europa.

Auch wenn versucht wird, einige ehemals exotische Futtermittelrohstoffe in Deutschland oder Europa „regional“ anzubauen, so kommen doch immer mehr Massenzutaten aus China, Mittel- oder Südamerika und nicht zuletzt aus Afrika. Solange auf den langen Transportwegen keine Kühlung erforderlich ist, sind sie für die Umwelt nicht so schädlich, wie oft angenommen wird. Die Transportkosten machen nur wenige Prozent des Carbon Footprints aus.

Allerdings fragen immer mehr Endkunden bei den Produzenten nach, ob in den Produktionsgebieten rund um den Globus die gleichen Arbeits-, Pflanzen- und Wasserschutzbestimmungen eingehalten werden wie in Europa. Hersteller sollten sich solche Verpflichtungen von ihren Lieferanten aus aller Welt zumindest in einem Verhaltenskodex bestätigen lassen.

Der Erde ist es in der Regel egal, wo auf der Welt bei der Rohstoffproduktion CO2 ausgestoßen wird. Ihre Aufgabe als nachhaltiger Markeninhaber ist es jedoch, den CO2-Fußabdruck Ihrer Rohstoffe zu kennen und den CO2-Fußabdruck von Tiernahrung durch eine kluge Auswahl und eine tierfreundliche Rezeptur zu reduzieren.

Natürlich bringt der Verkauf von Schlachtnebenprodukten nach Europa zusätzliche Einnahmen für die dortigen Produzenten. Im Gegenzug sollte es für uns in Europa wichtig sein, dass die sozialen und ethischen Bedingungen in den Schlachthöfen der Herkunftsländer so hoch wie möglich sind.

Generell muss sich der europäische Erzeugermarkt darüber im Klaren sein, dass er für importierte Tiernahrungszutaten aus aller Welt in der Regel mehr bezahlt, als die heimische Bevölkerung es könnte.

Es sollten daher nur solche Rohstoffe für die Herstellung von Heimtiernahrung importiert werden, die für die Ernährung der einheimischen Bevölkerung in den Erzeugerländern nicht unbedingt notwendig sind.

Eine genauere Betrachtung der globalen Beschaffung beinhaltet nun zwangsläufig auch einen Blick auf den Flächenverbrauch. So benötigt unser Rohstoffhunger in Europa eine Fläche, die etwa 1,5 mal so groß ist wie Europa. Natürlich unterstützt Local Sourcing die regionale Wertschöpfung in Deutschland, wenn z. B. Geflügelfleisch aus Deutschland verarbeitet wird.

Aber das kann wiederum die Abholzung von Regenwäldern im Amazonas und den Einsatz von Pestiziden für billiges Soja bedeuten. Generell ist weniger Fleisch in der Tierfütterung, wenn überhaupt, aus Gründen des Tierschutzes, mit heimischen Proteinen, immer noch ein effektiverer Beitrag zum Umweltschutz.

Regional und Global schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern sind zwei Seiten einer Medaille: Alle Wertschöpfungskreisläufe weltweit sind systemisch miteinander vernetzt. Deshalb ist es wichtig, die Kausalität der hier diskutierten Kernidee zu verstehen:

Nicht der anonyme „Markt“ verlangt nach exotischen Rohstoffen, sondern die Markeninhaber setzen auf Differenzierung durch exotische Zutaten. Sie haben ein Problem mit dem „Sustainable Ingredients Sourcing“ in Ihrem Unternehmen? Dann finden Sie hier einen sinnvollen Ansatz: Differenzierung ist besser durch echte Mehrwerte in Funktion und Service statt durch exotische Zutaten.

Das wäre ein echter Fortschritt!

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