Fleisch oder nicht Fleisch, das ist hier die Frage?

Kategorie: Klima

Nicht nur bei Hamlet gibt es emotionale Reaktionen bis zu philosophischen Grundfragen, die letztlich nicht wirklich aufgelöst geschweige denn schwarz-weiß betrachtet, sondern nur kontemplativ erörtert und dann subjektiv beantwortet werden können. Manchmal lässt Man (seltener die Frau J) sich auch einfach vom Zeitgeist treiben. Es geht um nicht weniger als das Reizthema Nr.1, nämlich Fleisch und deren Sinnhaftigkeit oder gar Notwendigkeit in der Hundenahrung (Katzen lasse ich in diesen „Einsichten“ noch außen vor).

Wölfe sind Carnivora, zumindest was die biologische Ordnung angeht. Das heißt aber nicht, dass sie Carnivore sind. Hunde gehören zu der Familie Canidae, was sie aber auch nicht zu einem Carnivor macht. Sowohl von der Biologie, als auch von der Genetik her unterscheiden sich Wölfe und Hunde. Spätestens auf dem Sofa wird das Bild des Wolfes in meinem Hund ad absurdum geführt. Nichts destotrotz gibt es einige Schnittmengen in der Ernährung. Beide brauchen Nährstoffe wie Fettsäuren, essentielle (absolut notwendige) Eiweiße und natürlich Mineralstoffe wie auch Vitamine. Fleisch liefert vieles davon, aber es ist nicht essentiell. Denn wer die Zusammensetzung fleischhaltiger ausgewogener Alleinfuttermittel (und nur darum geht es, wenn wir gesund und nachhaltig ernähren wollen) kennt, kann jede pflanzliche Rezeptur daraufhin optimieren und ggf. auch ergänzen.

Viele pflanzliche Proteine liefern vom Feld weg (ohne den Umweg über den Darm von Nutztieren) eine komplette Range von Aminosäuren und was fehlt, kann ergänzt werden. Pflanzliche Fette wie Raps- oder Sonnenblumenöl sind nicht nur beim Menschen empfohlen, sondern auch beim Hund sehr opportun. Omega 3 & 6-Fettsäuren werden auch bei klassischem Geflügelfett supplementiert. Vitamine und Mineralstoffe kommen in der BARF-Küche wie auch bei Nassfutter zum Einsatz; also macht Fleisch diese nicht überflüssig.

Woher kommt dann also so eine Fokussierung auf Fleisch? Weil es billiges, hochwertiges Protein darstellt und viel zur Verfügung steht. Es ist meist aus industrialisierter Landwirtschaft; hocheffizient zu niedrigsten Stückkosten produziert wie der Endkunde es (aktuell noch) fordert. Und die noch günstigen Schlachtnebenprodukte  (in Bezug auf das darin enthaltene Protein) machen Futter auch mit hohen Fleischanteilen nicht nur bezahlbar, sondern sind auch für den Hersteller gepaart mit gutem Marketing der Garant für gute Erlöse. Wenn alle externalisierten Kosten (Wasser-/Luftverschmutzung, Landverbrauch und der hohe Sojabedarf, der u.a. zur Abholzung des brasilianischen Regenwaldes beiträgt) in den Fleischwert eingepreist wären, würde es keinen Wettbewerb um den höchsten Fleischgehalt mehr geben. Denn das würden sich viele Endkunden nicht mehr leisten (können).

Der Carbon Footprint (auf den sich aufgrund der hitzigen Klimadiskussion vieles konzentriert) des hauptsächlich eingesetzten konventionell erzeugten Geflügelfleisches ist gar nicht so viel schlechter als hochprozessiertes Pflanzenprotein. Auch Schweinefleisch, eher in Nassfutter eingesetzt hat auch keinen wesentlich höheren CO2e-Ausstoß. Alleine unsere Rinder wie alle Wiederkäuer emittieren durch den Methanausstoss ein Vielfaches, wie auch der Wasserverbrauch in der Literatur deutlich höher beschrieben ist. Der Vollständigkeit halber füge ich hinzu, dass die Unterschiede zwischen Haltungssystemen wie intensive getreidebasierte Stallhaltung und extensive Weidehaltung von der Wissenschaft noch näher beleuchtet werden sollten. Generell müssen wir in der Landwirtschaft in Kreisläufen denken und dazu gehört, dass biodiverses Grünland nur von Wiederkäuern sinnvoll verwertet werden kann (andernfalls würde alles verbuschen). Immer, wenn wir diese Tiere schlachten, wird es auch Schlachtnebenprodukte geben. Wie wir diese aber danach am sinnvollsten „recyceln“, werden die zukünftigen Stoffströme zeigen. Es gibt durchaus sinnvollere Alternativen als Hundefutter, wenn man sich die Ernährung von 10 Milliarden Menschen in wenigen Jahrzehnten vor Augen führt.  Ein Beispiel ist die stark steigende Aquakultur, die seit Jahren Alternativen zum Fischmehl sucht.

Und es wird auch klar, dass viele andere Faktoren wie Tierleid, Wasserverbrauch, Biodiversität u.v.m. bei der persönlichen Abwägung mit berücksichtigt werden sollten. Auch wenn die Ökoeffizienz von Geflügelprotein auf dem Papier nicht schlechter als manches seltenes Pflanzenprotein zu sein scheint, so wird von vielen das Fleisch um des Tötens willen abgelehnt. Gründe für einen vegetarisch/veganen Lebensstil gibt es viele.

Und schon sind wir beim Tierwohl oder -leid. Selbst wenn alles bis hierher klar wäre, so scheiden sich spätestens da die Geister. Die Spezies Mensch fühlt überwiegend Mitleid mit unseren Heimtieren. Dagegen ist das Mitleiden bei den Nutztieren eher selektiv ausgeprägt bzw. oft von Inkonsequenz geprägt. Viele sagen, sie befürworten mehr Platz für die Tiere, kaufen aber doch Fleisch mit Haltungskompass 1; also die erste Stufe von 4 und damit das Billigste. Aber das pauschale Vorurteil, alle konventionell gehaltenen Tiere würden leiden ist so nicht richtig. Genauso wie nicht alle Bio-Tiere ein Paradies auf Erden vorfinden. Letztlich landen (fast) alle beim selben Schlachter und sterben. Trotzdem gibt es ganz viele gute Gründe für Biofleisch,… wenn wir alle dem oft zitierten Satz „weniger, aber dafür gutes Fleisch vom Metzger/Landwirt meines Vertrauens“ Taten folgen lassen würden. Das bedeutet aber, dass wir deutlich unseren Fleischkonsum zurückschrauben. Das wäre für uns Menschen gesünder und für die Tiere kein Problem.

Wie Beyond Meat und Impossible Burger in den letzten Monaten im Handel erfolgreich Regalplätze erobert haben, so wird die vegane Hundeernährung einen festen Platz in den Regalen bekommen. Es muss noch mehr geforscht werden an den Hochschulen zu diesem Thema, aber die Reifeprüfung haben diese neue „Gattung“ schon lange hinter sich.

Diese „Einsicht“ ist keine Verurteilung von Fleisch, sondern ein Plädoyer für einen aufgeklärten Umgang mit demselben. Als Landwirt und bekennender „Flexitarier“ weiß ich um die Bedeutung von Tieren und den unnachahmlichen Geschmack einer guten Rinderleber, eines sauer eingelegten Pansens oder einer Sülze aus Schweinefüßen.

Ein kleiner Praxistipp (zum Schmunzeln) für die, die Fleisch für Unabdingbar halten: „Der Kopf ist rund, damit sich die Gedanken drehen können“

Der Greenologe macht Marken, Menschen und Märkte mutig grüner

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